Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank möchte auf staatliche Hilfen verzichten und die höhere Kapitalanforderung, wie sie von der EU gewünscht wird, alleine meistern.
Dazu gäbe es mehrere Möglichkeiten, wie beispielsweise Verkäufe von Beteiligungen. Aber auch die Nichtverlängerung von bestimmten Krediten oder die Verringerung von Risikopositionen wäre möglich.
Allein auf deutsche Banken entfallen 5,2 Milliarden Euro
Die EU-Politiker kamen ja zu dem Entschluss, dass die insgesamt 70 größten Bankinstitute in Europa insgesamt 106 Milliarden Euro frisches Eigenkapital beschaffen müssen.
Allein für die deutschen Banken bedeutet dies 5,2 Milliarden Euro. Auf die Commerzbank entfallen hierbei 2,9 Milliarden Euro. Allerdings sind auch die Deutsche Bank die LBBW und die Nord LB betroffen.
Man möchte kein Staatsgeld in Anspruch nehmen
Allerdings soll dies ohne Staatsgeld realisiert werden. Hierfür sprach sich auch der Deutsche Bank Chef Josef Ackermann aus. Nach Berechnungen aus den letzten Quartalszahlen würde bei der Deutschen Bank in etwa eine Lücke von100 Millionen Euro klaffen. Allerdings könne diese Lücke aus eigener Kraft geschlossen werden.
Man weiß allerdings noch nicht, ob diese Berechnung auch mit dem errechneten Bedarf der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) übereinstimmt. Auch die beiden anderen Bankenhaben ihren Bedarf offengelegt. So ist bei der LBBW ein Kapitalbedarf von 364 Millionen vorhanden, bei der Nord LB ist sogar eine Lücke von 660 Millionen Euro vorhanden.
Es könnte weiterer Kapitalbedarf entstehen
Die Europäische Bankenaufsicht hat ihr Augenmerk bei seinen Berechnungen allerdings nur auf die Banken fokussiert, die auch am Stresstest teilgenommen haben. Daher könne natürlich auch an anderer Stelle ein weiterer Kapitalbedarf entstehen. Dadurch, dass die griechischen Staatsanleihen einen Abschlag von 50 % verkraften mussten, sind so ziemlich alle Banken in Deutschland davon betroffen.
Nicht alle Banken sind betroffen
Die Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen sehen die getroffenen Beschlüsse eher gelassen. Ebenso die Genossenschaftsbanken, da diese kaum griechische Staatsanleihen in ihren Produktkatalogen haben.
Schwere Zeiten für Bad Banks
Allerdings hat es die sogenannten Bad Bank von Hypo Real Estate und West LB umso härter getroffen. Diese beiden haben ihr Ergebnis wie im Juli beschlossen, bisher nur um 21 % nach unten korrigiert. Hier muss noch einmal nachgebessert werden.
Die schlechten Griechenland-Papiere der West LB lagern in der Düsseldorfer EAA und werden auf 1,1 Milliarden Euro beziffert. Auch beim Ableger der HRE liegen Anleihen im Wert von sogar 7,2 Milliarden Euro. Wenn hier auf 50 % nach unten korrigiert wird, dann entsteht ein Milliardenverlust, der im Anschluss direkt vom Steuerzahler ausgebadet werden muss.
Die Banken stehen unter Aufsicht
Man möchte verhindern, dass die Banken beginnen an falscher Stelle zu sparen und keine Kredite mehr an Privatkunden und Unternehmen ausgeben. Daher wird von der Aufsicht ein Maßnahmenkatalog von den jeweiligen Banken gewünscht. In erster Linie soll bei den Boni und bei den Gewinnen angesetzt werden. Die Kreditbücher sollen geschont werden.